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zu anziehender Inflation und kann gar in einer Hyperinflation enden, wie z. B. die Erfahrungen in Deutschland nach dem ersten und dem zweiten Weltkrieg oder auch jüngst in südamerikanischen Staaten oder in der Türkei gezeigt haben. Ist auch die Zentralbankfinanzierung nicht mehr möglich, zum Beispiel aufgrund einer notwendigen Rückzahlung der Auslandschuld, droht die Zahlungsunfähigkeit. Zu deren Vermeidung versucht der Staat, seine Ausgaben und Einnahmen mit Sanierungsmassnahmen wieder ins Lot zur bringen und mit seinen Gläubigern eine Schuldensanierung zu vereinbaren. Zypern, Griechenland oder Argen- tinien sind die jüngsten Beispiele dafür. Wenn auch dies nicht mehr möglich ist, folgt der Staats- bankrott. Staatsangestellte müssen entlassen werden und der Staat muss den Kauf von Gütern und Dienstleistungen massiv reduzieren. Die Folge ist ein tiefer wirtschaftlicher Einbruch mit massiv reduzierten Staatsleistungen.

Entwicklung der Schulden in der Schweiz und im Ausland

Die folgende Grafik zeigt die Entwicklung der Schulden als Prozentanteil zum Bruttoinlandpro- dukt (BIP). Diese Kennzahl wird häufig im internationalen Vergleich verwendet.

Entwicklung der Schuldenquote, 2000–2024 in % des BIP

225

Griechenland Italien Frankreich Spanien Österreich EU (19 Länder) Deutschland Irland Schweden Schweiz

200

175

(Quelle: Finanzstatistik, EFV, März 2024)

150

125

100

75

50

25

0

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Im EU-Euroraum sind die Schulden von 2000 bis 2008 weitgehend stabil geblieben. Der Ausbruch der weltweiten Finanz- und Bankenkrise im Jahr 2008 und die anschliessende Rezession sowie die vorgenommenen Bankensanierungen führten zu einem massiven Anstieg der Schulden vieler Staaten. Mit der Corona-Pandemie schnellten im Jahre 2020 in allen Ländern die Quoten nochmals massiv in die Höhe. Nur in Irland, Schweden und in der Schweiz war der Anstieg bescheiden. Mit Ausnah- me von Deutschland und Frankreich konnten alle Länder ihre Quoten in Jahren nach Coronawie- der senken. Griechenland gelang es gar, die Quote vor das Corona-Niveau zu drücken. Über die Periode von 2020 – 2024 zeigte sich ein klarer Trend des Anstiegs der Schuldenquoten. Nur Schweden und die Schweiz konnten ihre Schuldquoten kontinuierlich auf ein Niveau von rund 30 % senken. Interessant ist die Entwicklung in Irland: Vom tiefsten Stand Anfang der 00-Jahre explodierte die Quote mit der Finanzkrise auf rund 120 %. Anschliessend gelang eine Reduktion auf noch einen Drittel mit 40 %, was fast dem Stand von 2000 entspricht.

Es stelle sich die Frage, wieso Schulden - historisch gesehen - tendenziell ansteigen und was dage- gen unternommen werden kann.

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